Vorzeitige Wechseljahre
Bei jeder Frau beginnen die Eierstöcke ab einer bestimmten Lebensphase, der Pubertät, zu arbeiten und Eisprünge zu bilden und ab einer anderen Lebensphase, den Wechseljahren, diese Funktion wieder einzustellen. Das Durchschnittsalter für das Auftreten der ersten Menstruation liegt zwischen 11 und 13 Jahren. Der durchschnittliche Beginn des Lebensalters, in dem die Eierstöcke anfangen, Ihre Funktion allmählich wieder einzustellen, liegt bei 45 Jahren und die gesamte Zeit der Wechseljahre kann etwa 3-7 Jahre dauern. Tritt dieser Alterungsprozess und Funktionsverlust der Eierstöcke vor dem 40.Lebensjahr ein, so nennt man das Klimakterium praecox, auf deutsch „Vorzeitige Wechseljahre“. Es hat sich auch das aus dem englischen übernommene Kürzel „POF“ = premature-ovarian-failure durchgesetzt. Ich werde der Einfachheit halber diesen Begriff im folgenden Artikel verwenden.POF ist nicht an das Lebensalter gebunden, die jüngste Patientin mit einem gesicherten POF in meiner Praxis war 24 Jahre alt.
Das POF ist eine seltene Erkrankung (ca 1%) und wird aus diesem Grund auch leider nicht so schnell und vor allem Dingen konsequent diagnostiziert. Die Ursachen sind noch nicht völlig geklärt, neben genetischen und beim Humangenetiker abklärbaren Gründen (z.B. gehäuft in der Familie frühzeitiges Auftreten der Wechseljahre) sind sehr wahrscheinlich autoimmunologische Prozesse verantwortlich. Wir kennen eine Reihe von Autoimmunerkrankungen, bei denen das Immunsystem Antikörper gegen die eigenen Organe bildet (z.B. die Hashimoto-Krankheit der Schilddrüse) und damit die Organe „ausschaltet“.
Im Gegensatz zu den „echten“ Wechseljahren, kann das POF anscheinend auch nur vorübergehend auftreten. Es sind Fälle bekannt, bei denen sich die Eierstockfunktion wieder erholt hat und zumindest eine Zeit lang wieder normale Zyklen aufgetreten sind.
Was genau in den Eierstöcken bei einem POF passiert, ist noch hypothetisch. Vermutlich werden die Rezeptoren durch Auto-Antikörper blockiert, die auf das Follikelstimulierende Hypophysenhormon FSH ansprechen. Ein POF kann auch „iatrogen“ entstehen, das heißt durch Medikamente oder Bestrahlungen im rahmen einer Krebstherapie.
Sehr wahrscheinlich spielt die persönliche Lebensführung und Stoffwechselstörungen ebenfalls eine Rolle: Drogen, Rauchen, vegetarische Ernährung, Diabetes mellitus Die Anzeichen für ein POF sind nicht anders wie die Beschwerden in den normalen Wechseljahren: Regeltempostörungen, Schweißausbrüche, Hitzewellen, Schlafstörungen, Stimmungsschwankungen, Trockenheit der Schleimhäute (nicht nut der Scheide!) usw.
Auch im Hormonlabor finden sich die gleichen typischen Veränderungen, wie bei den „normalen“ Wechseljahren. Das Zwischenhirn registriert, dass die Östrogenwerte abfallen und schaltet die Hirnanhangdrüse=Hypophyse ein, die ihrerseits die Auslösehormone FSH und LH reichlich und in immer größerer Menge bildet, um die Eierstöcke doch noch zur Bildung und Abgabe von Östrogen und nachfolgend Progesteron zu zwingen. Um die Funktionsreserve der Eierstöcke bei Verdacht auf POF und Kinderwunsch und in diesem Zusammenhang die Chancen für das Eintreten einer Schwangerschaft zu überprüfen, hilft die an ein Spezial-Labor gebundene Bestimmung des AMH=Anti-Müller-Hormon und /oder des Hormons INHIBIN.
Eine Therapie des POF gibt es zur Zeit nicht, fortlaufende Hormonanalysen sind erforderlich und in Einzelfällen wurde über Erfolge mit sehr hoch dosierten Hormonen zur Stimulationsbehandlung der Eierstöcke (unbedingt gebunden an ein Spezial-Zentrum für die Kinderwunschbehandlung). Leider nur im Ausland erlaubt ist die Eizellspende, bei der eine fremde Eizelle befruchtet und der Patientin in die Gebärmutter eingesetzt wird.
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