Ernährung in der Schwangerschaft
Wie sollten sich Frauen, die schwanger werden wollen, ernähren?
Antwort: kalorienbewusst essen, ausreichend trinken, mineralstoff- und vitaminreiche Kost wählen.Bis zum Beginn des 4.Monat bleibt der tägliche Kalorienbedarf unverändert und erhöht sich erst ab der 12. Woche (=Beginn des 4.Monats) um etwa 400 Kalorien pro Tag. 400 Kalorien sind also weit entfernt von dem Satz unserer Großmütter, dass eine werdende Mutter in der Schwangerschaft für Zwei essen sollte. Statt 3 großer Mahlzeiten ist es sinnvoll 6 kleinere Mahlzeiten pro Tag einzuhalten.
Mahlzeiten mit hohem Nährwert aber niedrigerem Energiegehalt sind wichtig: also Obst, Gemüse, Vollkornbrot statt Pommes und Mayo.
Das zirkulierende Blutvolumen einer Schwangeren erhöht sich um bis zu 3 Liter während der Schwangerschaft. Es ist deshalb besonders wichtig, ausreichend zu trinken. Ungesüßte Tees und Mineralwässer sind sinnvoll. Tee, Kakao und Kaffee sind weniger sinnvoll, da sie die Aufnahme von wichtigen Spurenelementen (vor allem Eisen) behindern können, müssen aber nicht strikt gemieden werden. Während der gesamten Schwangerschaft ist Alkohol zu vermeiden, da Alkohol ungehemmt über die Plazenta in den kindlichen Organismus übergeht.
Welche Rolle spielt Folsäure bei der Fruchtbarkeit?
Folsäure und Folate (gehören zu der Vitamin-B-Gruppe) spielen eine wichtige Rolle bei allen Zellteilungsprozessen. Beim Ungeborenen wird Folsäuremangel verantwortlich gemacht für Störungen beim Verschluss des Neuralrohres („offener Rücken“) und daraus resultierende schwere Störungen der Entwicklung des zentralen Nervensystems. Da das so genannte Neuralrohr sich etwa in der 4. Schwangerschaftswoche schließt, also zu einer Zeit, wo noch nicht alle Frauen sich darüber bewusst sind, dass sie schwanger sind,ist eine Folsäureprophylaxe schon vor der Schwangerschaft, also schon bei Beginn des Kinderwunsches, sinnvoll.Große Studien haben bewiesen, dass in Deutschland nur 1/5 der Bevölkerung ausreichend Folsäure (und Jod) mit der täglichen Nahrung aufnehmen. Da Folsäuremangel auch bei Erwachsenen gesundheitliche Störungen bewirkt (Anämie, Verdauungsprobleme, Schleimhautveränderungen), ist eine Anreicherung der Ernährung prinzipiell sinnvoll.
Gibt es außer Folsäure noch andere Stoffe, die wichtig sind, um die Gesundheit und damit auch die Fruchtbarkeit zu steigern?
Grundsätzlich beeinträchtigt jede Mangelernährung die gesunde Funktion unseres Körpers, sodass ein Vitaminmangel sinnvollerweise auf jeden Fall zu vermeiden ist. Bei der Fruchtbarkeit des Mannes gilt es als wahrscheinlich erwiesen, dass eine Vitamin-C-Gabe die Spermienmotilität (=Beweglichkeit) verbessert und das Verkleben der Spermien untereinander verhindert. Die Kombination aus Vitamin A und E verbessert möglicherweise die Spermienqualität und Quantität.Insgesamt liegen für alle Beobachtungen (jedenfalls nach meinem Wissen) keine grundlegenden Beweise vor, sodass ich keine besondere Empfehlung für eine zusätzliche Vitamin-Therapie bei Kinderwunsch geben kann. Sinnvoll ist auch heute in Deutschland, trotz verbesserter Jodzufuhr (jodiertes Salz), noch die Zugabe von 100g μg Jod für jede Schwangere, da der Mehrbedarf an Jod in der Schwangerschaft allein durch die Ernährung noch nicht gedeckt werden kann.
Nach oben