PCO-Syndrom
Auch wenn viele Frauenärzte dies gerne behaupten, ist das PCO-Syndrom =Syndrom der polyzystischen Ovarien (Stein-Leventhal-Syndrom) eigentlich kein eigenständiges Krankheitsbild.Der Name bedeutet, dass sich im Eierstock viele „Zysten“ befinden. Dabei handelt es sich aber nicht um echte Zysten, wie beim Zystovar, sondern es sind viele Eibläschen, die bis zu einer bestimmten Größe heranreifen, aber nicht springen und sich wieder zurückbilden. Allerdings nicht ganz. Sodass im Ultraschall viele kleine „Löcher“ im Eierstock zu sehen sind, so wie die Löcher in einem Schweizer Käse. Schon bei der gynäkologischen Untersuchung sind die Eierstöcke meist vergrößert zu tasten.
Man spricht im Ultraschallbild dann von einem PCO-Syndrom, wenn sich mindestens 12 Zysten in einer Größe bis zu 9 Millimetern in einem Eierstock befinden.
Die Ursache dafür liegt in einem erhöhten Blutspiegel der männlichen Sexualhormone. Bei einem klassischen PCO-Syndrom bleibt die Regelblutung fast immer aus oder kommt manchmal nur in unregelmäßigen Abständen, oft liegen Monate dazwischen. Die Morgentemperatur bleibt auf dem gleichen niedrigen Niveau, wie sonst nur nach der Regelblutung.
Typisch für ein PCO-Syndrom sind erhöhte Blutwerte des LH-Hormones (=luteinisierendes Hormon). Der Eierstock spricht aber auf diese Hormon nicht an, sodass auch im Eierstock vermehrt männliche Sexualhormone gebildet werden. Das männliche Hormon Testosteron wird normalerweise „aromatisiert“ (durch ein spezielles Enzym, die Aromatase) und in Östrogen umgewandelt, nicht nur im Eierstock, sondern reichlich im Fettgewebe. Bei übergewichtigen Frauen findet sich die Aromatase reichlich im Fettgewebe, sodass dort große Östrogenmengen gebildet werden. Das Zwischenhirn, das wie ein Sensor den Hormonspiegel misst, denkt, dass jetzt ein Eisprung ausgelöst werden müsste, und veranlasst die Hypophyse, vermehrt LH zu produzieren. Dabei sind die Eier aber noch gar nicht reif und in Wirklichkeit bleibt der Eisprung aus, und immer neue Eier reifen bis zu einer mittleren Größe heran. Aus diesem Teufelskreis führen zwei Wege heraus: der gezielte Einsatz von Medikamenten und, falls Übergewicht besteht, eine deutliche Gewichtsreduktion.
Eine andere mögliche Ursache für ein PCO-Syndrom besteht in Störungen des Insulin-Hormon-Stoffwechsels (das ist das Hormon, das in der Bauchspeicheldrüse gebildet wird und den Zuckerspiegel steuert). Es gibt Störungen, bei denen trotz hohem Insulin-Spiegel die Zuckerwerte nicht ausreichend gesenkt werden. Es sieht dann so aus, als wäre der Körper gegen das eigene Insulin „resistent“. Diese Erkrankung bezeichnet man auch als Typ-II-Diabetes.
Da Übergewichtige sehr häufig einen Insulinüberschuß haben, findet sich bei ihnen das PCO-Syndrom deutlich häufiger als bei normalgewichtigen oder schlanken Frauen.
Schon eine Normalisierung des Körpergewichtes kann dies Insulinresistenz durchbrechen, wobei auch erfolgreich Medikamente eingesetzt werden, die das Insulin senken (z.B. Metformin).
Unerfüllter Kinderwunsch als Folge eines PCO-Syndroms ist heute erfolgreich behandelbar, aber die Erkrankung selbst bleibt häufig bestehen, tritt also nach erfolgreicher Schwangerschaft und Geburt oft wieder auf. Aus diesem Grund erhalten Frauen, die ein PCO-Syndrom haben, in Zeiten, in denen kein Kinderwunsch besteht, Antibabypillen mit so genannten „Antiandrogenen“ (das sind Hormone, die den Spiegel männlicher Sexualhormone senken) verordnet. Auch zur Einleitung der Behandlung, also bei einer Frau, die Kinderwunsch hat, wird oft zunächst eine antiandrogene Antibabypille verordnet, um als erstes Zwischenhirn, Hypophyse und Eierstöcke auszuschalten, um diesen Hormon-Teufelskreis zu unterbrechen.
Nach oben