Hyperandrogenämie
Männliche Hormone im Blut der Frau.
Bei unregelmäßigen Regelblutungen wird sehr häufig als Ursache dafür eine Überhöhung der männlichen Hormone=Androgene festgestellt. Wird das TESTOSTERON übermäßig gebildet oder ungenügend oder nicht verarbeitet, dann sind die Hormonspiegel männlicher Sexualhormone im Blut erhöht. Man bezeichnet diesen Zustand als Hyperandrogenämie. Diese Hyperandrogenämie führt zu unterschiedlichsten Reifungsstörungen des Follikels.Androgene sind im normalen Hormonspiegel jeder Frau nachweisbar, aber im Vergleich zum Mann in sehr niedriger Konzentration.
Die hauptsächlich im Körper aktiven ANDROGENE sind das Testosteron, das Androstendion und das DHEAS (Dehydroepiandrosteronsulfat)
Androgene werden in der Nebennierenrinde, in den Gonaden (=Hoden/Eierstöcke) und im Fettgewebe gebildet (wobei es wichtig ist zu wissen, dass in den Fettzellen des Körpers auch Östrogene gebildet werden können, das ÖSTRON).
Das männliche Hormon TESTOSTERON, das beim Mann in der Nebenierenrinde und zum größten Teil im Hoden gebildet wird, wird bei der Frau etwa zu gleichen Teilen in der Nebennierenrinde und in den Thekazellen des Eierstocks gebildet. Auch das ANDROSTENDION entsteht aus diesen Zellen, die sich zwischen den Follikeln befinden. Die Produktion des Testosterons wird wohl durch das Hypophysenhormon LH (das Luteotrope Hormon, das später für die Gelbkörperphase verantwortlich ist)stimuliert. Testosteron ist bei der Frau Ausgangsstoff für das weibliche Hormon Östrogen, das erst durch Enzyme in den sog. Granulosazellen, die die Eizelle umschließen, des Eierstocks gebildet wird. Und diese Östrogenbildung wird durch das Hypophysenhormon FSH (das Follikelstimulierende Hormon) gefördert.
Das DHEAS wird hauptsächlich in der Nebennierenrinde produziert und ist so etwas wie der Teig, aus dem der Bäcker die Brötchen backt.
Ein anderes Hormon kann zu Überhöhungen männlicher Sexualhormone führen: das PROLAKTIN-Hormon (es ist das Hormon, was später die Stillleistung fördert und in der Stillzeit sinnvollerweise den Eisprung ausbremst - aber das ist nicht 100% sicher! Verlassen Sie sich als stillende Mutter nicht auf diesen Effekt des Prolaktins! Wird zu viel Prolaktin produziert, dann wird die Östrogenproduktion gedrosselt. Bleibt der Eisprung aus, wird auch kein Gelbkörperhormon gebildet, das ja erst nach dem Eisprung entsteht.
Dadurch werden unter dem Einfluß des Prolaktins in der Nebennierenrinde vermehrt DHEAS und im Eierstock vermehrt Testosteron und Androstendion gebildet.
Da das Fettgewebe in der Lage ist, große Testosteronmengen zu bilden, finden sich Eireifungsstörungen in Verbindung mit erhöhten Androgenwerten sehr häufig bei Übergewichtigen. In der Pubertät ist eine vorübergehende Hyperandrogenämie fast üblich (daher die Pickelbildung und die Akne bei jungen Mädchen), die durch eine Überaktivität der Nebenniere ausgeht. Erst der Anstieg des Testosterons im Eierstock bewirkt dann auch einen Bildung von Östrogene und eine Follikelreifung.
Kommt bei jugendlichen Mädchen dann auch noch Übergewicht dazu, folgt meist noch eine Insulinstoffwechselstörung auf dem Fuße (Typ-II-Diabetes). Und Insulinerhöhung führt zu einer weiteren Erhöhung der Androgene.
Deswegen gilt bei allen Frauen mit Übergewicht, Zyklusstörungen und erhöhten Androgenwerten: gezielte Gewichtsreduktion ist der beste Weg aus dem Hormondilemma!
Andere Ursachen für eine Erhöhung männlicher Sexualhormone im Blut sind genetischer Art, z.B. das AGS=Adrenogenitales Syndrom. Auch angeborene Eierstocktumore können männliche Hormone bilden, sind aber vergleichsweise sehr selten.
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