GESTAGEN und PROGESTERON
Thema: Gelbkörperhormon und Testosteron
GESTAGEN und PROGESTERON sind synonyme Begriffe, bedeuten also das Gleiche. LEVONORGESTREL, MEDROXYPROGESTERON, NORETHISTERON-Acetat u.a. sind KÜNSTLICHE, synthetisch hergestelltes Gelbkörperhormone.Nur das Progesteron in UTROGEST ist ein NATÜRLICHES, aber ebenfalls synthetisch hergestelltes Progesteron.
Die in fast allen Hormonersatztherapien verwendeten Östrogene sind NATÜRLICH, aber ebenfalls synthetisch hergestellt.
Besser wäre es, man würde den Begriff NATUR-IDENTISCH verwenden. Die nicht-naturidentischen Gestagene sind nicht so schlecht, wie hier und da behauptet wird; aber sie haben ein anderes Wirk- und Nebenwirkungsprofil. Auch das "echte" naturidentische Progesteron hat Nebenwirkungen (was zum Beispiel viele Frauen in der Schwangerschaft recht deutlich merken!). Testosteron wird von jeder Frau vor allem im Eierstock in geringer Menge gebildet und hat einen fördernden Effekt auf die Libido.
In vielen Pillen und Hormonpräparaten für die Wechseljahre wird das gelbkörperhormon Norethisteron verwendet.
Norethisteron ist ein Nor-Testosteron-Derivat, hat aber leider nicht bei jeder Frau libidofördernde Effekte.
Die Bestimmung des Testosteronwertes in den WJ ist sinnvoll, aber besser wäre, man würde das DHT=Dihydrotestosteron bestimmen (was aber kaum ein Labor macht). Das DHT ist verantwortlich für die Körperbehaarung, die Talgdrüsen der Haut (z.B. für das Auftreten einer Akne) und die berühmten "Geheimratsecken" beim Mann.
Testosteron entsteht aus dem Nebennierenhormon ANDROSTENDION. Daraus entsteht Testosteron. Testosteron ist im Eierstock ein "Prohormon"=Vorstufe für die Bildung von Östradiol. Für die Umwandlung in ESTRADIOL ist ein Enzym (die sogenannte AROMATASE) erforderlich. Übrigens können Östrogene auch an anderer Stelle im Körper entstehen, nämlich im Muskel- und Fettgewebe, aber nur wenn genügend Aromatase zur Verfügung steht (daher die Therapie mit Aromatase-Hemmern bei der Brustkrebsbehandlung).
Eine kleine, aber feine Info am Rande: in den Beipackzetteln vieler Medikamente steht, dass der "Abbau dieses Medikamentes den Cytochrom-P Stoffwechsel beeinflußt" - die Aromatase ist eines der Cytochrom-P-Enzyme. Ganz interessant ist, dass Johanniskraut ebenfalls auf den Cytochrom-P-Stoffwechel negativ einwirken kann. Also: immer auf den Beipackzettel achten. Manches wegen anderer Gesundheitsstörungen eingenommene Medikament greift ungewollt und heftig in den Hormonstoffwechsel ein.
Das DHT wird normalerweise sofort und zu über 98% an ein Eiweiß, das SHBG=sexualhormonbindende Globulin (entstammt der Leber), gebunden und dadurch inaktiv (daher ist die Bestimmung des SHBG bei Hormonanalysen so wichtig). Wird SHBG zu wenig gebildet, steigt der Anteil des frei werdenden DHT gewaltig an und verursacht die Veränderungen der Fettverteilung, den Haarausfall, die Zunahme der Körperbehaarung, Hautstörungen, fördert die Arteriosklerose usw.
Fehlen die Eierstöcke, dann wird aus dem Androstendion der Nebenniere weder ausreichend Östrogen noch ausreichend Testosteron gebildet, sondern vermehrt DHT mit den oben zitierten Nebenwirkungen. DHT hat keinen libidofördernden Effekt.
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