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FAQ:

Bewertung der Kontrazeption bei Thrombophilie
Wie hoch das Thromboserisiko bei Thrombophilie ist, lässt sich meist anhand der Diagnostik, der Anamnese und vorhandener Risikofaktoren abschätzen. Die Entscheidung für eine Kontrazeption ist vom individuellen Fall abhängig.

Leidet eine Patientin an einer Thrombophilie, besteht in der Praxis häufig große Unsicherheit bezüglich Kontrazeption und Schwangerschaft. Wichtig ist die individuelle Anamnese und Familienanamnese.

Die häufigste Thrombophilie in Westeuropa ist die Faktor V Leiden-Mutation (5 bis 7% der Bevölkerung heterozygot). Daneben sind nach einem Prothrombin-Polymorphismus , Protein C-Mangel, Protein S-Mangel, Antithrombin-Mangel, Faktor VIII-Erhöhung (> 150%) oder Antiphospholipidsyndrom zu fragen.

Während heterozygote Träger der Faktor V Leiden-Mutation bei negativer Eigen- und Familienanamnese kein relevant erhöhtes Thromboserisiko haben, ist das Risiko für homozygote Träger um den Faktor 50 bis 80 erhöht. Relevant kann das Thromboserisiko bei hereditärer Thrombophilie allerdings sein, wenn weitere Faktoren vorliegen: z.B. eine eigene oder familiäre Vorgeschichte mit Thrombose, Embolie oder ein habitueller Abort. In diese Fällen sollte eine entsprechende Diagnostik eingeleitet werden. Der Laborbefund allein lässt keine ausreichende Beurteilung des individuellen Risikos zu.

Schwangerschaft, Wochenbett, kombinierte orale Kontrazeptiva, u.a. erhöhen das Thromboserisiko bei Thrombophilie. Auch habituelle Aborte sind mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit einer Thrombophilie verknüpft. Eine asymptomatische Schwangere mit heterozygoter Faktor V Leiden-Mutation ohne auffällige Thromboseanamnese jedoch hat kein erhöhtes Risiko für einen Abort oder Schwangerschaftskomplikationen. In der Schwangerschaft ist demnach ebenfalls die Anamnese von großer Bedeutung.

Kombinierte orale Kontrazeptiva erhöhen das Thromboserisiko um den Faktor 2 bis 6. Das Risiko lässt sich mit einer niedrigen Ethinylestradioldosis reduzieren. Also sollte man eher auf Präparate mit 20 µg als mit 30 µg zurückgreifen. Zusätzliche Sicherheit bietet die einmalige Bestimmung der D-Dimere 3 bis 4 Wochen nach Beginn der Einnahme des oralen Kontrazeptivums. So kann eine eventuelle Gerinnungsaktivierung ausgeschlossen werden. Kein erhöhtes Thromboserisiko haben nach aktueller Studienlage hingegen antiandrogen wirksame Gestagene oder Präparate mit Drospirenon.

Bei einer Thrombose in der Vorgeschichte oder einer positive Familienanamnese würde man einer Patientin mit Faktor V Leiden-Mutation eine Kontrazeption mit Ethinylestradiol nicht empfehlen. Als Alternative bietet sich der Einsatz von Mirena® oder eines reinen Gestagenpräparates an.

Quelle: Nach Informationen von Geburtsheilkunde / Frauenheilkunde, Dezember 2007




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