Eierstöcke mit raus? Beweise fehlen!
Quelle: Orozco L et al. Hysterectomy versus hysterectomy plus oophorectomy for premenopausal women. Cochrane Database Syst Rev 2008: CD005638
Bei einer Hysterektomie werden häufig auch die Ovarien entfernt. Cochrane-Wissenschaftler untersuchten, ob diese gängige Praxis einen Nutzen bringt.
Immer wieder hinterfragen Wissenschaftler der Cochrane-Collaboration, ob gängigen Therapien ausreichend Studiendaten zugrunde liegen. "Nicht evidenzbasiert - mehr Studien nötig", ist ein häufiges Fazit der Cochrane-Forscher - so auch in diesem Fall.
Laut einer soeben in der Cochrane-Library veröffentlichten Übersicht gibt es keinerlei Hinweise darauf, dass durch die Entfernung der Ovarien während der Hysterektomie ein zusätzlicher Vorteil entsteht. "Bevor wir keine verlässlicheren Daten haben, sollte eine Ovarienentfernung während der Hysterektomie mit Vorsicht betrachtet werden", schreibt der leitende Forscher, Dr. Leonardo Orozco.
Rund der Hälfte aller hysterektomierten Frauen über 40 Jahren werden auch die Ovarien entfernt. In den USA sind das beispielsweise 300.000 Frauen pro Jahr. Grund für die Entfernung ist der Wunsch, eine mögliche Krebserkrankung der Eierstöcke zu verhindern. Allerdings produzieren die Ovarien nicht nur Östrogen, sondern auch andere Hormone, wie etwa Androgene, die möglicherweise wichtige und bislang unbekannte klinische Effekte vermitteln.
Die Forscher fanden nur eine kontrollierte Studie, die zur Aufklärung der Fragestellung hätte beitragen können. Die Untersuchung an 362 Frauen zeigte zwar einen kleinen positiven Effekt der zusätzlichen Oophorektomie auf das psychologische Wohlbefinden der Frauen, aber die Ergebnisse sind laut Orozco und Kollegen nicht aussagekräftig genug. "Die Entfernung der Eierstöcke könnte von Nutzen oder von Schaden sein. Erst weitere Studien mit höherer methodischer Qualität werden Klarheit schaffen", resümiert Orozco. (fah)
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