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Temperaturkurven

Normale Temperaturkurve

Hier erkennt man deutlich das typische und unterschiedliche Verhalten von Östrogen und Progesteron. Ab der Periode wird zunächst ausschließlich und in steigender Menge Östrogen gebildet. Das hat zwei Gründe. Zum einen muss eine neue Schleimhaut aufgebaut werden, die sich mit der Periode bis auf die Basalschicht abgelöst hat. Das Östrogen löst innerhalb der Schleimhaut lebhafte Zellteilungsprozesse aus, sodass die Schleimhaut wieder dicker wird.

Zur gleichen Zeit reifen im linken oder rechten Eierstock 2 oder 3 Follikelchen heran, von denen dann meist nur einer zum dominanten Follikel wird und bis zum Eisprung durchaus 22-25 mm groß wird. Die Körpertemperatur bleibt in der ganzen Zeit bis zum Eisprung niedrig (im Bevölkerungsdurchschnitt etwa um die 36,5 C)



Etwa 5 Tage vor dem Eisprung verändert sich unter zunehmendem Östrogeneinfluß der Zustand des Muttermundschleims. Er wird immer flüssiger, glasklar und zieht zwischen den Fingern, wenn man aus der Tiefe der Scheide (die ja gar nicht so lang ist) etwas Schleim abnimmt deutliche Fäden zieht. Das sieht so aus wie rohes Hühnereiweiß. Und sieht man sich den Schleim im Mikroskop an, dann kristallisiert der nach ein paar Minuten aus wie Eisblumen am Fenster oder noch deutlicher: sieht aus wie Farnkrautblätter, weswegen dieser Test Farnkrauttest genannt wird. Nur in diesem Schleim können die Spermien überhaupt überleben (bis zu 5 Tagen).

Etwa am 13. Tag nach Beginn der Regel ist das Eibläschen (=der Follikel) reif und platzt. In sehr vielen Fällen geht dem Platzen des Eibläschens=dem Eisprung ein kleines Temperaturtief voraus. Das jetzt gesprungene Ei lebt nach dem Eisprung noch 10 Stunden, dann löst es sich, falls es nicht befruchtet worden ist, in "Wohlgefallen" auf (und geht nicht, wie immer noch viele Frauen glauben, erst mit der nächsten Periode ab). Schon am nächsten Tag nach dem Eisprung hat sich aus dem geplatzten Eibett im Eierstock ein Gelbkörper gebildet (der heißt so, weil er wirklich gelb aussieht) und der bildet in immer größerer Menge und recht rasch das Gelbkörperhormon=Progesteron.

Das Progesteron hat mehrere Effekte.
Der erste ist an der Temperaturkurve deutlich zu erkennen: die Morgentemperatur steigt an! Im Durchschnitt um 0,5-0,6°C. Und bleibt bei guter Funktion etwa 14 Tage auf sehr ähnlich hohem Level, obwohl kleinere Schwankungen von 0,1-0,2 normal sind und eine immer gleichbleibende Morgentemperatur ohne jede Schwankung eher darauf hinweist, dass nicht richtig gemessen wurde. Der zweite Effekt ist, dass Progesteron den Muttermundschleim nahezu sofort undurchlässig macht für Spermien, Bakterien usw., da sich die Viskosität=Spinnbarkeit des Muttermundschleims sofort verändern. Der Ausfluss wird auch ganz rasch weiß. Der zweite Effekt vom Progesteron ist der, dass die weitere Zellteilung der Gebärmutterschleimhaut sofort aufhört, und stattdessen die Schleimhautzellen reif und dicker werden und dass tun, weswegen die Schleimhaut überhaupt Schleimhaut heißt: sie bilden innerhalb der Gebärmutter Schleim. Der dritte und ebenso wichtige Effekte ist der, dass das Progesteron sozusagen die Schutzfunktion für das eventuell befruchtete Ei übernimmt, um es sicher auf dem Weg durch den Eileiter in die Gebärmutter zu bringen.

Findet keine Befruchtung statt, dann fällt die Gelbkörperfunktion zusammen, die Temperatur nimmt rasch ab und die Schleimhaut löst sich und blutet mit einer erneuten Menstruation ab.

Gelbkörperhormonschäche

Hier ist eine ganz normale Eireifungsphase (erste Zyklushälfte) zu erkennen, auch dass oft sehr typisch kurze Temperaturtief vor dem Eisprung ist zu erkennen.



Aber nach dem Eisprung steigt die Temperatur nicht rasch an, sondern erreicht erst nach etwa 10 Tagen das Temperaturmaximum, um dann schon nach weiteren 5 Tagen abzufallen.

Hier besteht ein Form von Gelbkörperhormonmangel. Die Schleimhaut reift nicht richtig aus. Ein befruchtetes Ei würde auf eine unreife Schleimhaut treffen,eine Schwangerschaft ist zwar möglich, aber das Fehlgeburtsrisiko ist sehr hoch.

Oft sind verstärkte und schmerzhafte Regelblutungen bereits ein Zeichen von Gelbkörperhormonmangel.

Gelbkörperhormonschäche b

Im Gegensatz zur vorigen Kurve steigt hier die Kurve rasch an, fällt aber bereits nach wenigen tagen ganz langsam, aber stetig wieder ab.



Auch hier besteht ein Gelbkörperhormonmangel und für das Eintreten einer Schwangerschaft sind die Chancen eher gering.

Gelbkörperhormonschäche c



Hier ist deutlich erkennbar, dass nach dem Eisprung die Temperatur sich nicht verändert. Es wird entweder garkein Gelbkörperhormon gebildet oder nur extrem wenig, sodass Regelbeschwerden fast immer bestehen. Meist sind solche Zyklen ohne Gelbkörperhormonbildung verbunden sind größeren oder sehr großen Zykklusabständen.

Kein Eisprung

Diese Kurve sieht praktisch genauso aus wie die vorige, aber hier findet der Eisprung nicht statt, meist als Folge eines Östrogenmangels oder anderer erheblicher Hormonstörungen. Ob in der Kurve 4 ein Eisprung stattgefunden hat, lässt sich allein aus der Temperaturkurve nicht erkennen, jedoch sicher durch den Farnkrauttest und durch Ultraschalluntersuchungen; aber auch durch entsprechend durchgeführte Hormontests.



Kurven ohne Eisprung nennt man auch "anovulatorische Zyklen".
Die Ursache für diese Zyklen, die ebenfalls fast immer mit sehr großen Regelabständen verbunden sind, bestehen meist in schwereren Hormonstörungen, die eine sehr exakte Diagnostik erfordern.



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