Where do we go ... ?
Gyne Dez. 03 - Climacteric Medicine: ..... Where do we go ... ?
Das Executive Committee der Internationalen Menopause-Gesellschaft (IMS) informiert Patientinnen und Ärzte wie folgt:Anhand der verfügbaren RCT ist nicht zu entscheiden, ob eine Estrogen- bzw. eine Estrogen-Gestagen-Behandlung dazu geeignet ist, vor kardiovaskulären Erkrankungen bzw. anderen langfristigen Folgen eines Defizits an Sexualhormonen im Sinne einer primären Prävention zu schützen.
Die Daten der (amerikanischen) WHI-Study und auch die (britische) Million Women Study sind aufgrund ihrer statistischen Unzulänglichkeiten nicht geeignet, die Wirkungen einer Hormonersatztherapie (HRT) während des perimenopausalen Übergangs zu beurteilen.
Bei Fehlen neuer, relevanter Daten zur Behandlung symptomatischer, perimenopausaler Frauen mit Hormonen empfiehlt das Executive Board daher, die weltweit akzeptierte Praxis beizubehalten, auf der Basis einer individuellen Behandlung auch Estrogene und Gestagene bzw. bei hysterektomierten Frauen Estrogene allein einzusetzen.
- um das zentrale Nervensystem zu stabilisieren,
- um urogenitale Beschwerden zu mindern,
- um Knochenmasseverluste und Frakturen zu vermeiden,
- um Atrophien bindegewebiger Strukturen zu verhindern und
- um Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie degenerativen Erkrankungen des Nerven-systems vorzubeugen.
Bei Fehlen gegenteiliger Daten sieht das Executive Commitee der IMS keinen Grund dafür, die Zeitdauer einer Behandlung zu begrenzen, insbesondere auch keinen Grund, eine HRT abzubrechen, die während des perimenopausalen Übergangs begonnen wurde und unter der die Frauen symptomfrei geblieben sind.
Es sollte jedoch alljährlich eine Risiko-Benefit-Analyse vorgenommen werden. Ein Abbrechen der Hormonersatztherapie kann sich schädigend auswirken. Wenn auch das Risiko für Komplikationen unter Anwendung von Sexualhormonen eine klinische Streitfrage bleibt, so lässt sich auch ohne eine allgemein verbindliche Behand-lungsrichtlinie – speziell der Einnahme von Estrogenen und Gestagenen – eine absolute, augenscheinlich aber geringe Zunahme bestimmter Tumoren feststellen, andererseits aber auch ein ausgeprägter Schutz vor anderen Tumoren.
Zudem besteht – unabhängig vom Lebensalter – bei bestimmten Frauen ein etwas erhöhtes Risiko für Thromboembolien und Schlaganfälle zu Beginn einer HRT. Unabhängig davon, ob eine HRT begonnen oder fortgesetzt werden soll, empfiehlt sich daher, in jedem Fall auf Risiken hin zu untersuchen.
Festzustellen ist aber auch: Die Sorge im Hinblick auf Krebserkrankungen, Stoffwechsel- und Gefäßerkrankungen sowie Hirndystrophien ist nicht nur eine Angelegenheit von Frauen unter einer HRT, sondern geht entschieden alle Frauen jenseits des fortpflanzungsfähigen Alters an.
Die Anwendung von Hormonen, zumal eine Hormonsubstitution wird als Teil der Fürsorge für die ältere Bevölkerung beiderlei Geschlechts an Bedeutung zunehmen.
Als maßgebliche Prinzipien zur Verbesserung der Lebensqualität und Verlängerung des Lebens sind hervorzuheben:
- Die Vorbeugung und nicht die Behandlung bei bereits eingetretenen Erkrankungen ist das vordringlich anzustrebende Ziel: Die Anwendung von Hormonen bzw. eine Hormonsubstitution kann somit nur der besondere Teilaspekt einer umfassenden Strategie sein, die die Änderung des Lebensstils und andere Vorsorgemaßnahmen umfasst, insbesondere die Einstellung von Rauchen und Alkoholabusus.
- Die Anwendung von Sexualhormonen hat vor allem protektive, weniger reparative Wirkungen.
- Die einzusetzende Dosis an Hormonen sollte angemessen und effektiv auf das jeweilige Zielorgan ausgerichtet sein und den klinischen Notwendigkeiten entsprechen.
- Welcher Weg der Hormonapplikation gewählt werden sollte, ist insbesondere im Hinblick auf die Langzeitergebnisse einer HRT weiterhin eine offene Frage.
- Welche differenzierte Bedeutung Progesteron bzw. die Gestagene im Rahmen der HRT haben, bleibt Gegenstand aktueller klinischer Forschung.
- Die Kombination von Hormonen mit anderen medikamentösen Therapieformen kann unter Umständen von Vorteil sein.
- Die Ergebnisse von Bevölkerungsstudien können nur bedingt auf inidividuelle Patienten übertragen werden. Sie können jedoch im Einzelfall Grundlage für die klinische Risikobeurteilung und die Therapieentscheidungen sein.
Zur Evidenz der HRT liegen präklinische und experimentelle Befunde in großer Zahl vor. Es sollte daher die klinische Forschung verstärkt werden, um die klinische Praxis nach bestem Wissen zu gestalten. Auch stützt die International Menopause Society (IMS) die Forderung, alle Daten des Estrogen/Gestagen-Arms der WHI-Studie zu unabhängigen Auswertungen freizugeben, ebenso alle Daten der Million Women Study (MWS).
Die Mitglieder des Executive Commitee der IMS sind:
- Hermann P. G. Schneider (Präsident), Deutschland
- Sheila O'Neill, Australien
- Amos Pines, Israel
- David Sturdee, England
- Martin Birkhäuser, Schweiz
- Jean Wright, England
- Andrea Genazzani, Italien
- Wulf Utian, USA
- Mark Brincat, Malta
- Marco Gambacciani, Italien
- Khunying Kobchitt, Thailand
- Fred Naftolin, USA
- Satiago Palacios, Spanien
- Nestor Siles, Argentinien
- Delfin Tan, Philippinen
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