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100 Briefe und Faxe

An: ÄRZTE ZEITUNG

Hunderte Briefe und Faxe haben mich erreicht als Antwort auf meinen Leserbrief, den Sie letztens veröffentlicht haben. Die Verzweiflung und unterschwellig kochende Wut in der Ärzteschaft ist groß. Wir lassen uns beschimpfen und verunglimpfen, weil wir es uns gefallen lassen, daß von irgendeinem Missetäter – wie immer in Deutschland – auf alle geschlossen werden darf.

"Sind wir etwa die neuen Verfolgten dieser Nation?", für die alle Verallgemeinerungen und Vorurteile pauschal zutreffend sein sollen. Vielleicht kriegen wir bald die Kassen-Nummer auf den Unterarm tätowiert und müssen ein Arztschild auf gelbem Grund am Jackett tragen!

Viele sind wie ich der Meinung, daß nur eine Gewerkschaft à la Steinkühler und Co mit knochenhartem Programm unsere Interessen wirksam vertreten kann. Bei bereits 5 Millionen Arbeitslosen kommt es auf 30 % arbeitsloser Ärzte (+ ca 3 Angestellte pro Praxis) nicht mehr an und dank Budgetierung dürfen die Überlebenden des Holocaust zwar die "freiwerdenden" Patienten der aufgelösten Praxen übernehmen, behandeln – aber dafür, dank Verbotes der übermäßigen Ausdehnung der Praxis, kein Mehrhonorar erwarten! Auch dies ist eine perfide Zielvorstellung , um weitere Gelder einzusparen.

In Frankreich streiken die Fernfahrer und ziehen sich den Zorn aller zu : aber – nach kurzer Zeit und entprechendem Durchhaltewillen wurden sie verstanden und die Ziele wurden erreicht.

Ich weiß nicht, wieviele Ärzte, angestellt oder niedergelassen, wir in Deutschland sind, ich weiß nur, daß wir immer eine Minderheit bleiben werden und deshalb nur mit ganz harten Bandagen und nur gemeinsam zum Ziel kommen können. Es muß uns bewußt sein, daß wir, egal welche Fachrichtung, unter dem Zeichen des Aesculap und nach dem Eid des Hippokrates gleich sind, gleiches wollen und gleiches tun.

Der Worte sind genug gewechselt, wir wollen endlich Taten sehen!

Liebe Kolleginnen und Kollegen, auch wenn wir fast alle ein "Burn-out-Syndrom" haben, wir sollten noch soviel Feuer in uns spüren, um endlich das ganze politische Stroh zu verbrennen!


Mit freundlichen Grüßen


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