Kritisches zur medizinischen Versorgung in Deutschland
Zur Gesundheitsreform
und der Lage der Ärzte in Deutschland
Vorurteile und Lügen werden nicht durch ständiges Wiederholen wahr!
Und eines der sich am hartnäckigsten haltenden gängigen Vorurteile ist das vom "reichen Doktor", der seinen Mercedes fährt, sein Häuschen auf Mallorca pflegt und an Mittwoch-Nachmittagen Golf spielt.Vielleicht hätten Sie heute abend einen Verantwortlichen der Kreditabteilung irgendeiner Groß-Bank einladen sollen, um hier eines Besseren belehrt zu werden. Diese Zeiten - ich habe sie nie erlebt - sind lange vorbei.
In jedem Beruf, vom Dachdecker bis zum Rechtsanwalt, gibt es einige elitäre Spitzenverdiener, denen auch unter Umständen kaufmännisches Denken über jede Ethik erhaben ist.
Kein Mensch kommt auf die Idee, von Rechtsanwalt Bossi auf das Einkommen aller Rechtsanwälte zu schließen, oder gar zu denken, daß alle Tennisspieler ein Jahreseinkommen wie Boris Becker hätten.
Nur bei einem Berufsstand wird ein Pauschal-Urteil mit immer gleicher Dummheit repetiert: bei "den Ärzten" und dann wird über die Kosten einer ComputerTomografie beIm Röntgenarzt öffentlich slnniert "was die wohl für ein Geld machen" und keinem ist bewußt, daß z.B. beim Radiologen über 90 % des Umsatzes von den Praxiskosten gefressen werden!!
im Zeitalter der pausenlosen Arztserien im Fernsehen ist es an der Zeit, daß wir Ärzte nicht ständig mit Sascha Hehn oder Prof. Brinkmann verwechselt werden, und daß auch der Normal-Bürger den Arzt als normalen Menschen mit normalem Einkommen und normalen Sorgen sieht.
Es ist politisch gewollt, daß ca 30 % aller deutschen Arztpraxen ( mit durchschnittlich 3 Angestellten) im Laufe der nächsten Zeit schließen müssen (auf ein paar Arbeitslose mehr kommt es ja nicht an), und es wird vor allem die Jung-Niedergelassenen treffen, die sich in den letzten 3 Jahren niedergelassen haben, weil sie mit einem "Gewinn" von ca 5 DM pro Patient weder die Praxis-Kredite, noch die Mieten und die Versicherungen zahlen oder die eigene Familie ernähren können.
In den neuen Bundesländern stehen bereits heute 55 % aller Ärzte unter Bank-Aufsicht und haben ihre gesamten Einnahmen als Sicherheit den Banken zur Verfügung zu stellen!
Bis zur politischen Durchsetzung der Gesundheitsreform bestand der wesentliche Unterschied eines Arztes zum Nicht-Arzt darin, daß Ärzte durchschnittlich in der Woche 60 Stunden arbeiteten - Büroarbeit ist hier nicht mitgerechnet-, daß Sie regelmäßig zusätzlich zum Tagesdienst ohne Pause Nacht-/Notdienste zu verrichten hatten und dann wieder in der Praxis ihre Patienten zu versorgen hatten. Und gute und fleißige Ärzte hatten viel zu tun, andere weniger. Vor 30 Jahren gab es relativ wenige Ärzte für viele Menschen und jeder, auch der weniger gute Arzt, hatte genug Arbeit - auch, weil es früher den Patienten unmöglich war, aufgrund mangelhafter Information, die Qualifikation eines Arztes richtig zu beurteilen.
Wenn wir die Gesamtheit der Sozialausgaben mit einem Kuchen vergleichen, so erhalten heute im Gegensatz zu früher 120 000 Kassenärzte ein Stück von dem gleichen Kuchen, von dem früher nur wenige ein Stück, aber ein viel größeres, erhielten.
Der Kuchen (ich meine hier die für die ärztliche Versorgung zur Verfügung stehende Geldsumme) wird seit Jahren In der gleichen Größe gebacken. Da immer mehr am gleichen Tisch sitzen, werden die Kuchenstücke immer kleiner. Bei gleichzeitig immer weiter steigenden Lebenshaltungs-, Personal, Mietkosten usw. und staatlich angeordneter Einsparmaßnahmen, haben gleichzeitig die Häppchen ihren Kaloriengehalt verloren - eine Ernährungskrise ist entstanden. Dennoch gibt es in jeder Krise Gewinner, die aus der Not anderer ihren Profit ziehen.
An jeder Wasserstelle Afrikas finden Sie das gleiche Phänomen: Raubtiere erwischen immer das meiste Wasser - und die friedlichen Pflanzenfresser werden so nebenbei auch noch mit gefressen!
Heute, mit Einführung der neuen Gebühren-Ordnung für Ärzte und per Gesetz angeordneter Budgets, ist es eine Tatsache, daß ärztliche Leistung nur noch begrenzt bezahlt wird.
Das ist in etwa so, als dürfte ein Klempner pro Tag 20 Wasserhähne anschrauben. Den 21.,22.,23. würde er zwar per Gesetz anschrauben müssen, aber kostenlos, weil sein Budget überschritten ist!
Oder: wenn die Solinger Feuerwehr im Jahre 1996 100.000 Liter Löschwasser verbraucht hätte, dann stünde ihr diese Menge Löschwassers für 1997 zum Verbrauch zu. Wäre die Menge verbraucht und entstünde ein neuer Großbrand, dann wäre die Feuerwehr zwar zum Löschen verpflichtet; aber das mehrverbrauchte Wasser müssten die Feuerwehrleute aus eigener Tasche bezahlen und die Mehrkosten würden Ihnen auch noch zusätzlich im nächsten Jahr vom Budget abgezogen.
Wer sich für seine Patienten Tag und Nacht und auch an den Wochenenden einsetzt, hat sein festgesetztes Budget schnell erreicht. Jede weitere Leistung erbringt er umsonst, trotz weiterlaufender Praxiskosten. Ich führe zum Beispiel 3 mal im Monat an Mittwoch-Nachmittagen, Freitag-Nachmittagen Sprechstunden durch. Diese Sprechstunden liegen über meinem Praxisbudget und sind nicht bezahlt worden -
Das heißt:
1996 habe ich über 360 Stunden zusätzlich ohne einen Pfennig Geld gearbeitet, d.h. noch nicht einmal die Beleuchtungskosten meiner Praxis verdient! Ich würde den Vollidioten, der diese Praxis-Budgets erfunden hat, gerne kennenlernen und ihm seine Weltfremdheit ausprügeln!
Kennen Sie irgendeinen Arbeitnehmer, der z.B. nach 20 Arbeitstagen im Monat die letzten 10 Tage weiterarbeitet, obwohl er dafür kein Gehalt mehr bekommt? Jeder Arbeitnehmer in Deutschland bekommt im Durchschnitt 6 Wochen Urlaub, ist durchschnittlich 21 Tage krank (das sind inclusive der Sonntage nochmal ca 4 Wochen) und viele machen alle 2 bis 3 Jahre eine Kur.
Bei Politikern (hier ist das Gesundheitsministerium führend) ist der Krankheitsstand wesentlich höher- aber dafür wird ja auch das Gehalt weiter gezahlt! Wer's Kreuz hat, segnet sich bekanntlich 2 Mal: zuerst und zuletzt!
Für den selbständigen Arzt sieht die Sache anders aus: Der Durchschnittsarzt arbeitet pro Woche ca 20 Stunden mehr als ein Angestellter oder Arbeiter, macht im Jahr 4 Wochen Urlaub, ist nie oder nur wenige Tage krank, geht nie in Kur, hat kein 13. Monatsgehalt, keinen bezahlten Urlaub und eine wesentlich kürzere Lebenserwartung als ein Normalbürger dieser Nation. Die Heckenschnitt-Sparmaßnahmen der Gesundheitspolitik treiben einen ganzen Berufsstand in den Ruin, schaffen eine 2 Klassen - Medizin und treiben Krankenkassen – Patienten – Arzte - und alle anderen Heilberufe in ein unsinniges Kesseltreiben des einen gegen den anderen.
Dieser politisch gewollte Zerstörungskrieg, der den gesamten sog. Mittelstand vernichten wird, soll nach meinem Empfinden ablenken von der bankrottären Politik dieser Regierung. die es noch nicht einmal fertigbringt, in der Öffentlichkeit ein Schuldbekenntnis für 4,7 Millionen Arbeitslose abzulegen.
Nach oben