Artikel

Divide et impera!

An: ÄRZTE ZEITUNG

Verfolgt man Ihre berufspolitischen Artikel der letzten Jahre, dann müßte es jedem wie Schuppen von den Augen fallen:
Die Politik – auch (oder sogar gerade) unsere Standespolitik – hat ihr wichtigstes Ziel erreicht:
Wir Ärzte sind hoffnungslos zerstritten, in kleine Lager verteilt, jeder auf sich selbst bedacht, ein gemeinsames Ziel gibt es nicht mehr. Die hohen Herren unserer "Selbstverwaltung" reiben sich vergnügt die Hände, verpassen sich die nächste Aufwandsentschädigungs-Erhöhung oder den nächsten Posten neben der Fußmatte des Ministers.

Merkt denn keiner, daß gegen uns beste Zermürbungstaktik angewandt wurde, daß unser gemeinsames "Heer" aufgerieben worden ist, und wir unsere beste und einzige Waffe, unsere Gemeinsamkeit, verloren haben?

Wir kämpfen doch schon lange nicht mehr für unseren Beruf – laßt doch endlich das Gequatsche von Fort- und Weiterbildung – wir kämpfen um unsere wirtschaftliche Existenz und damit ums nackte Überleben.

Ich habe auch kein Konzept parat, aber viele Revolutionen haben damit begonnen, daß es irgendeinem gelang, das gemeinsame Ziel wieder sichtbar zu machen. Leider läßt sich ärztliche Interessenvertretung nicht mit full-time Praxis und patientenzentriertem Engagement verbinden.

Der m.E. einzige Ausweg aus unserem z.Zt. existierenden Feudalsystem, wo die Seidenkrawatte dem Fürsten wichtiger ist als das zerschlissene Hemd seines Bauern, ist eine Ärzte-Gewerkschaft, die endlich auch unpopuläre Methoden anwendet, um unsere vitalen Bedürfnisse für alle gerecht durchzusetzen. Oder kann sich noch ein Kollege in irgendeiner Partei oder irgendeiner Berufsvertretung "wiederfinden"?

Aller Neuanfang bedeutet Kampf: Kampf für unseren gemeinsamen Berufsstand, für unsere Familien und Kinder, für Lebensqualität statt Überlebensqual. Kampf heißt auch: weg mit dem von uns finanzierten und auf unsere Kosten wohllebenden Herrensystem.

Oder stehe ich mit meiner Ansicht alleine da?

Nach oben